Vorsorgedarmspiegelung

Die Vorsorgedarmspiegelung ist eine seit Oktober 2002 eingeführte Vorsorgemassnahme zur Früherkennung und Verhinderung des Dickdarmkrebses.

Dickdarmkrebs ist bei Frauen die zweithäufigste bösartige Erkrankung nach dem Brustkrebs, bei Männern die zweithäufigste bösartige Erkrankung nach dem Prostatakrebs. Bei nichtrauchenden Männern ist Dickdarmkrebs die häufigste bösartige Erkrankung.

Im Jahr 2005 sind in Deutschland rund 71.000 Menschen an Darmkrebs erkrankt, ca 32.000 daran verstorben.

Wer kann an der Untersuchung teilnehmen?

Teilnahmeberechtigt sind alle Männer und Frauen ab dem 55. Lebensjahr.

Ist in einer Familie Darmkrebs bekannt, so sollten alle erstgradigen Verwandten eine Darmspiegelung in einem Lebensalter durchführen lassen, das mindestens 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des an Darmkrebs Erkrankten liegt, spätestens jedoch mit dem 50. Lebensjahr.

Beispiel: Wenn ein Vater mit 55 Jahren an Darmkrebs erkrankt ist, so sollte der Sohn oder die Tochter des Vaters ab dem 45. Lebensjahr eine Spiegelung alle 5 Jahre durchführen lassen.

Sollte Darmkrebs bei Grosseltern oder Geschwistern der Eltern aufgetreten sein (zweitgradig Verwandte), so gilt eine intensivierte Vorsorgebereitschaft für alle Verwandten. Hier ist ein Beratungsgespräch bei Ihrem Hausarzt oder bei Vorsorge anbietenden Ärzten (Gynäkologen, Urologen Internisten, Gastroenterologen) angebracht. Die Kosten für eine Darmspiegelung vor dem 55. Lebensjahr bei entsprechenden Verwandtschaftsverhältnissen übernehmen die Krankenkassen.

Wie entsteht Darmkrebs?

Darmkrebs entsteht in der überwiegenden Mehrzahl aus Polypen, anfänglich kleine Zellhäufchen, die sich in 8–10 Jahren zu einem Darmkrebs – oft unbemerkt vom Betroffenen – entwickeln können. Neben genetischen Einflüssen die zur Entwicklung des Darmkrebses führen, werden heute vor allem Einflüsse aus der Ernährung wie zu hoher Fleischkonsum (rotes Fleisch wie Rind-, Schweine- und Wildfleisch), zu hoher Fettanteil in der Ernährung sowie Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen als darmkrebsfördernde Einflüsse diskutiert.

Wie funktioniert eine Darmspiegelung?

Nach einer eintägigen Abführmassnahme zur Reinigung des Dickdarmes wird mit einem biegsamen Schlauch, der über den After eingeführt wird, der Dickdarm untersucht. Im Spiegelgerät (Coloskop) ist eine elektronische Kamera eingebaut, mit der live Bilder aus dem Inneren des Dickdarms auf einen Bildschirm projiziert werden.

Der Dickdarm ist ca. 1 Meter lang und verläuft rahmenförmig im Bauch des Menschen.

Wie können Polypen bei der Untersuchung entfernt werden?

Über einen Arbeitskanal, der sich durch das Spiegelgerät zieht, können feine Instrumente wie Biopsiezangen und Schlingen in den Darm gebracht werden. Kleine Polypen werden mit der Biopsiezange abgeknipst, größere Polypen mit der Schlinge abgetragen. Diese Eingriffe sind schmerzlos.

Wie oft werden Polypen im Darm festgestellt?

In der Altersgruppe der 55 jährigen kann man statistisch bei jeder 3. Frau und bei jedem 4. Mann Polypen im Darm finden. Nicht alle Polypen entwickeln sich zwangsläufig zum Darmkrebs weiter.

Braucht man für die Untersuchung eine Narkose?

Eine Vollnarkose wird im Allgemeinen nicht angewandt. Bei schwierigen Darmverhältnissen wir Verwachsungen im Darm nach Operationen oder schwierigen Kurven im Darm oder sehr ängstlichen Patienten, werden Medikamente verabreicht, die zu einem kurzen, tiefen Schlaf führen, in dem der Untersuchte keine Schmerzempfindungen hat. Durch die Einnahme dieser Medikamente ist der Betroffene nach der Untersuchung nicht verkehrstüchtig. Er sollte daher durch eine Begleitung nach Hause gebracht werden.

Wie oft muss eine Darmspiegelung durchgeführt werden?

Nach derzeitiger Regelung ist eine Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr alle 10 Jahre vorgesehen. Nach einer Polypabtragung werden in Abhängigkeit des Befundes Kontrolldarmspiegelungen durchgeführt. Sie werden individuell vereinbart und von der Krankenkasse bezahlt.

Gibt es eine Alternative zur Darmspiegelung?

Nach derzeitiger Regelung ist für denjenigen, der keine Darmspiegelung durchführen lassen möchte, ab dem 55. Lebensjahr eine Untersuchung auf Blut im Stuhl jährlich vorgesehen (Hämofec, Hämoccult).

In Erprobung sind radiologische Methoden wie die sog. “virtuelle Koloskopie” mit dem Computertomogramm oder dem Magnetresonanzverfahren, bei denen nach einer entsprechenden Darmreinigung Bildserien des Dickdarmes aufgenommen und ausgewertet werden. Entdeckte Befunde wie z.B. Dickdarmgewächse (Polypen, Krebs) werden danach mit einer Darmspiegelung weiter untersucht. Kleinere Polypen (unter 5 mm) werden bei einer virtuellen Untersuchung oft übersehen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine virtuelle Koloskopie nicht.

Welche Komplikationen sind bei Darmspiegelungen bekannt?

Die Komplikationsrate ist bei erfahrenen Untersuchern sehr gering. So treten laut Statistik in 0.27 % der Polypabtragungen (in 2,7 Fällen von 1.000 (eintausend) Polypabtragungen) Nachblutungen auf, die im Allgemeinen spontan zum Stillstand kommen oder mit einer erneuten Spiegelung gestillt werden können.

In 0,06 % der Untersuchungen (also 6 Fälle von 10.000 (zehntausend)) der Polypabtragung) werden Perforationen, d. h. ein Durchstoßen der Darmwand beschrieben. Diese müssen durch einen operativen Eingriff verschlossen werden.

Durch unsachgemässes Verwenden von sedierenden Medikamenten sind Herz/Kreislaufstörungen und Atemnotzwischenfälle beschrieben. Die Rate der Zwischenfälle ist bei erfahrenen Untersuchern sehr gering.

Wer darf Vorsorgedarmspiegelungen vornehmen?

Seit der Einführung der Vorsorgedarmspiegelung im Oktober 2002 dürfen nur Ärzte, die von der Kassenärztlichen Vereinigung ermächtigt sind, Darmspiegelungen vornehmen.

Diese sind speziell ausgebildete Internisten und Gastroenterologen.

Die Genehmigung zur Darmspiegelung ist an Qualifikationen des Untersuchers gebunden. Auch müssen laufende Hygienekontrollen, die von unabhängigen Instituten durchgeführt werden, erfüllt werden.

Was mache ich mit den Medikamenten die ich täglich einnehme?

Medikamente die zur Blutgerinnungshemmung dienen (z.B. Marcumar) müssen rechtzeitig vor der Darmspiegelung abgesetzt werden, wobei ein Quickwert am Untersuchungstag von mindestens 50 % anzustreben ist (Planung mit dem Hausarzt). In den meisten Fällen sollte die Blutgerinnung dann zwischenzeitlich mit Heparinspritzen gehemmt werden.

ASS, Aspirin, Plavix und Iscover oder wirkstoffgleiche Präparate sollten wegen des Risikos einer Nachblutung mindestens 7 Tage vor der Darmspiegelung abgesetzt werden. Nur in Ausnahmefällen z.B. bei schwerer coronare Herzkrankheit oder Stentversorgung in den Herzkranzarterien sollte nach Rücksprache mit dem Hausarzt und dem untersuchenden Arzt darauf verzichtet werden.

Diabetiker sollten die Medikamenten und Insulinversorgung am Abführtag mit dem Hausarzt oder untersuchenden Arzt besprechen.

Alle anderen Medikamente sollten in der Vorbereitungsphase zur Darmspeigelung nicht abgesetzt werden, also blutdrucksenkende, herzstützenden, wassertreibende oder bronchienerweiternde Medikamente dürfen weiter eingenommen werden. Auch Patienten mit Rheuma oder ähnlichen Systemerkrankungen dürfen ihre Medikamente regelmässige weiter nehmen.

Patienten mit künstlichen Herzklappen oder Herzklappenfehlern sollten vor der Untersuchung zur Vermeidung einer Klappeninfektion antibiotisch behandelt werden. (60 min vor Untersuchung 3 g Amoxicillin, 6 Std. nach der Untersuchung 1 g Amoxicillin - oder Ausweichspräparate bei Penicillinallergie).

Gibt es Erkrankungen bei denen man bzgl. des Darmkrebses besonders vorsichtig sein muss?

Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung - Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa- haben je nach Dauer ihrer Erkrankung ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Sie sollten eine Darmspiegelung daher alle 1 - 2 Jahre durchführen lassen.

Treten in einer Familie gehäuft Darm oder Magenpolypen auf, so sollte man das Vorliegen einer sog. “familiären Polyposis” untersuchen lassen.

Auch das gehäufte Auftreten von Krebserkrankungen an unterschiedlichen Organen bei jungen Menschen (unter 50 Jahren), in mehreren aufeinander folgenden Generationen lenkt den Verdacht auf eine vererbbare Krebsentstehung (z.B. HNPCC). In all diesen Fällen sind Beratungen beim Hausarzt oder anderen kompetenten Ärzten für eine individuelle Vorsorgestrategie sinnvoll.

Gibt es Vorzeichen, die auf einen Polypen oder einen Darmkrebs hinweisen?

Leider gibt es sehr wenige verlässliche Zeichen, die früh auf Polypen oder Darmkrebs hinweisen. Das Wachstum der Polypen ist sehr langsam und verursacht kaum Beschwerden. Selbst fortgeschrittener Darmkrebs verursacht oft keinerlei Beschwerden.

Sichtbares Blut, das am Wischpapier oder als Stuhlauflagerung bemerkt wird, sollte immer als Alarmzeichen verstanden werden. Hämorrhoidenbluten sollte man erst nach Ausschluss anderer Blutungsgründe (nach einer Darmspiegelung) als Blutungsursache vermuten.

Im Falle eines positiven „Blut-im-Stuhl“-Testes ist eine Wiederholung des Testes nicht sinnvoll. Hier sollte sofort eine Spiegelung geplant werden.

Anhaltende Bauchschmerzen, anhaltende Blähungen, wechselndes Stuhlverhalten zwischen Verstopfung und Durchfall, allgemeine Schwäche, Blutarmut und ungeklärte Gewichtsabnahme sollten auch an die Möglichkeit eines Prozesses im Darm denken lassen.

Eine Behandlung mit Eisentabletten bei unklarem Eisenmangel ist erst nach Abklärung der Mangelursache sinnvoll.

Jeder trägt die Verantwortung für seine Gesundheit selbst. Die Angst vor einer Untersuchung ist nicht gerechtfertigt, da heute sämtliche Möglichkeiten für eine schmerzfreie Untersuchung zur Verfügung stehen.

Gebetsmühlenartig wiederholte Schreckensmeldungen über die Darmspiegelung sind keine guten Berater. Oft werden sie von Menschen verbreitet, die selber keine Darmspiegelerfahrung haben.

Eine rechtzeitige Untersuchung mit Erkennung und Abtragung von Darmkrebsvorstufen dauert im Allgemeinen nicht länger als 30 Minuten. Die Operation eines Darmkrebses, die Nachbehandlung eventuell durch Chemotherapie, Bestrahlungen und eventuell Nachoperationen nimmt Monate oder sogar Jahre in Anspruch. Eine Heilung ist bei fortgeschrittenen Fällen selten möglich.

Darmkrebs kann vermieden werden – wenn man rechtzeitig schauen lässt

Woher bekomme ich die Information, wo Vorsorgedarmspiegelungen durchgeführt werden?

Hausärzte sind über die Möglichkeiten der Darmspiegelungen informiert.

Auch Krankenkassen oder kassenärztliche Vereinigungen können hier Auskünfte geben.

Ein direkter Anruf bei internistischen Facharztpraxen oder Gastroenterologen hilft ebenfalls weiter.